Made in China
Wereldmuseum Amsterdam
bis zum 30. August 2026
Die Ausstellung „Made in China“ im Wereldmuseum Amsterdam beleuchtet eines der einflussreichsten und vielschichtigsten Labels der Welt. Von jahrhundertealten Traditionen chinesischer Handwerkskunst bis hin zu innovativem zeitgenössischem Design zeigt die Schau, wie die Produktion in China seit jeher von Innovation, Können und kulturellem Austausch geprägt ist. Porzellan, Seide, Jade und Lackwaren stehen neben experimenteller Mode, digitalen Medien und Konzeptkunst und erzählen eine vielschichtige Geschichte von Kontinuität und Transformation.
Anstatt „Made in China“ als statisches Konzept darzustellen, erschließt die Ausstellung dessen Bedeutung. Sie zeichnet nach, wie sich Techniken wie der Holzschnitt und großflächige Produktionssysteme über Jahrtausende entwickelt haben, und hinterfragt gleichzeitig moderne Annahmen über Kopieren, Urheberschaft und Massenproduktion. Gleichzeitig beleuchtet sie die sozialen und ökologischen Realitäten der globalen Produktion und regt zur Reflexion über die menschlichen Kosten und kulturellen Auswirkungen der heutigen Produktion an.
Neben historischen Objekten und immersiven Installationen präsentiert „Made in China“ eine vielfältige Auswahl zeitgenössischer Kunsthandwerker, die Traditionen modern interpretieren. Designerinnen und Designer wie Susan Fang, Feng Chen Wang, Chen Hangfeng und andere verbinden Tradition und Innovation durch nachhaltige Mode, experimentelle Textilien und konzeptuelle Kunstprojekte. Ihre Arbeiten zeigen, wie sich das „Herstellen“ stetig weiterentwickelt – verwurzelt in der Geschichte und doch immer wieder neu interpretiert für die Gegenwart.
Vorgestellte Designerin: Caroline Cheng
Caroline Cheng ist eine international anerkannte Keramikkünstlerin, Kuratorin und Unternehmerin, deren Werk zeitgenössisches Design mit traditioneller chinesischer Handwerkskunst verbindet. Als Gründerin von The Pottery Workshop mit Studios in Hongkong, Shanghai, Jingdezhen und Dali hat sie maßgeblich dazu beigetragen, keramische Traditionen zu bewahren und neu zu interpretieren und gleichzeitig den globalen Austausch über Handwerk und materielle Kultur zu fördern. Ihre Arbeiten wurden in bedeutenden internationalen Museen ausgestellt und gesammelt, was ihren langjährigen Einfluss auf die zeitgenössische Keramik widerspiegelt.
Parallel zu ihrer künstlerischen Tätigkeit erforscht Cheng neue Materialzukunftsperspektiven und nachhaltige Produktionsansätze, darunter die kreative Wiederverwendung von Keramikabfällen in Designprozessen. Ihre Arbeit bewegt sich oft zwischen Handwerk, Industrie und Experiment und hinterfragt unsere Vorstellungen von Materialien und Werten.
Für die Ausstellung „Made in China“ im Wereldmuseum Amsterdam wurde diese Perspektive in eine Reihe tragbarer Objekte übersetzt. Die Tragetasche und der Pullover greifen ihre Bildsprache und ihr Gespür für Materialien auf und verwandeln Alltagsgegenstände in subtile Erweiterungen ihrer keramischen Praxis. Sie spiegeln ihr anhaltendes Interesse daran wider, wie Design Tradition, Innovation und Alltag in greifbaren, zugänglichen Formen miteinander verbinden kann.
Yixing-Teekannen und -Tassen: Alltagsrituale aus Ton
Die hier vorgestellten Yixing-Teekannen und -Tassen zeugen von der langen Tradition chinesischer Keramikkunst aus Yixing in der Provinz Jiangsu. Bekannt für ihre unglasierten Oberflächen und den mineralreichen Ton, werden Yixing-Keramiken seit Jahrhunderten für die Teezubereitung verwendet und für ihre besondere Reaktion auf Hitze, Gebrauch und Zeit geschätzt. Sie sind weniger dekorative Objekte als vielmehr funktionale Gefäße – geschaffen, um gehalten, eingeschenkt und im Rahmen von Ritualen verwendet zu werden.
Die in dieser Auswahl enthaltenen Teekannen sind Variationen traditioneller Yixing-Formen, die jeweils auf Ausgewogenheit, Proportion und haptische Präzision ausgerichtet sind. Ihre Namen – wie Qie Duan, Chou Jiou und Xin Yuan Zhi Fang – verweisen auf stilistische Vorbilder innerhalb dieser breiteren Keramiktradition und nicht auf einzelne Designer. Sie unterstreichen die Kontinuität der handwerklichen Produktion in Yixing, wo das Wissen um die Form über Generationen weitergegeben wird und nicht von einem einzelnen Schöpfer geprägt ist.
Daneben erweitern die Yixing-Tassen aus gemischtem und rotem Ton diese Materialsprache auf eine direktere, alltäglichere Ebene. Schlicht in der Form und unaufdringlich in der Ausführung spiegeln sie dieselbe Betonung von Funktion, Haptik und wiederholtem Gebrauch wider. Ob Teekanne oder Tasse, der Fokus liegt stets auf dem Zusammenspiel von Ton, Wasser und Zeit – jedes Objekt erfährt durch das tägliche Ritual eine subtile Wandlung.
Wereldmuseum Mahjong-Steine
Diese Sonderedition besteht aus sechs einzigartigen Mahjong-Steinen, die in Zusammenarbeit mit der Hongkonger Illustratorin Karen Aruba für die Ausstellung „Made in China“ entstanden sind. Anstatt ein komplettes Spielset zu bilden, werden die Steine als individuelle Designobjekte präsentiert, die Mahjong durch eine zeitgenössische Bildsprache neu interpretieren und Hongkongs Handwerkstradition mit niederländischen Kultureinflüssen verbinden.
Jeder Stein wird zu einer kleinen Erzählfläche, die Illustration, Symbolik und Storytelling vereint. Der äußere Stein wurde vom Meisterhandwerker Ricky Cheung mit den Schriftzeichen „Helan“ (荷蘭), was „Niederlande“ bedeutet, handgeschnitzt, während Karen Aruba die grafische Gestaltung beisteuerte. Vater und Tochter vereinen in dieser generationsübergreifenden Zusammenarbeit traditionelle Schnitztechniken und zeitgenössische Illustration.
Als limitierte Auflage von sechs Steinen rücken die Steine die Interpretation in den Vordergrund und heben Mahjong nicht nur als traditionelles Spiel hervor, sondern als kulturelles System von Symbolen und Bedeutungen – offen für Neuinterpretationen, Übersetzungen und künstlerischen Dialog über Generationen und Regionen hinweg.
Wuyong Living Space Geschenktasche: Wertschätzung für Alltagsgegenstände
Die Wuyong Living Space Geschenktasche basiert auf der Philosophie der Designerin Ma Ke und ihrem Projekt Wuyong („nutzlos“), einer Bewegung, die den Wert von Materialien, Arbeit und Alltagsgegenständen neu überdenkt. Wuyong, das aus einer Praxis hervorgegangen ist, die tief mit traditionellem chinesischem Handwerk und ländlichen Produktionssystemen verbunden ist, konzentriert sich auf Einfachheit, Nachhaltigkeit und einen respektvollen Umgang mit dem, was wir besitzen und benutzen.
Die Tasche trägt den Aufdruck „Dinge wertschätzen“, der die menschliche Abhängigkeit von materiellen Objekten im Alltag reflektiert und uns gleichzeitig an die Mühe und das handwerkliche Können erinnert, die in ihrer Herstellung stecken. Anstatt Gegenstände als Wegwerfartikel zu betrachten, fördert die Tasche Sorgfalt, Langlebigkeit und das Bewusstsein für die Arbeit hinter ihrer Produktion.
Als Teil der Ausstellung „Made in China“ fungiert die Geschenktasche weniger als dekoratives Accessoire, sondern vielmehr als konzeptionelles Objekt. Sie übersetzt Wuyongs umfassendere Philosophie in eine tragbare Form: eine Erinnerung daran, dass Design Ideen zu Verantwortung, Nachhaltigkeit und der stillen Ethik des Herstellens und Benutzens von Dingen transportieren kann.

















